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Erfahrungsbericht

(denn Erfahrungen müssen nun mal gemacht werden!!)

 

Phelsuma standingi  -   Blauer Taggecko

 

 

 

Durch einen glücklichen Zufall sind wir viel schneller als geplant an ein wunderschönes Zuchtpaar Phelsuma standingi gelangt.

 

Der erste „Körperkontakt“ folgte zu Hause, indem ich die beiden nacheinander vorsichtig aus der Box in das Terrarium umgesetzt habe. Der Griff ist eine Wissenschaft für sich - zwar habe ich zig Mal gelesen wie man es richtig macht (denn Fachbücher sind allwissend..!!) aber als der Moment gekommen war, fühlte ich mich genauso scheu wie die Geckos.

Nicht am Schwanz ziehen - der fällt ab. Nicht würgen - das nehmen sie übel…..!

 

Das Umsetzen hat funktioniert und alle drei (die 2 Geckos und ich!!) haben die Aufregung überlebt!! Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung haben sich die zwei dann auch mal wieder blicken lassen. - Bestimmt, weil sie Hunger hatten.

 

Aber wie genau füttert man nun Geckos?? Grünzeug nehmen sie nicht. Unsere Bartagamen fressen aus der Hand und „dosiert“ - aber Geckos??

 

Schnell im allwissenden Fachbuch nachgeschlagen… Hmmm.. da steht, dass Geckos nicht zahm werden. Der einzig mögliche Höhepunkt kann sein, dass ein Gecko Früchtebrei vom Finger des Pflegers leckt.

 

Nachdem wir eine schlaflose Nacht durch „undosierte Heimchengebung“ hinter uns hatten, musste eine andere Lösung her! Mit einer kleinen Pinzette wurde den kleinen blauen Kerlchen dann das Lebendfutter gereicht. Nach einem kurzen, skeptischen Blick wurde die Nahrung angepeilt, nochmals etwas uninteressiert geschaut, dann doch die Augen scharfgestellt und … schnappp!

 

Okay, das hat geklappt!! Dann wird jetzt auch hier nur noch dosiert gefüttert!

 

Moment, was sagte dieses Fachbuch vorher?? - Es wird manchmal sogar Brei vom Finger geleckt?? - Also ab in den Supermarkt, Babybrei Pfirsich gekauft und gaaanz vorsichtig ausprobiert! Kleiner Finger in den Brei getunkt und gaaaaaaaanz langsam in das Terrarium zu den scheuen Geckos gehalten. Zum Abstützen das Handgelenk auf ein Bambusrohr gelegt!! Nach ca. 12 Minuten (!!) war es dann so weit. Der scheue Gecko hatte wohl ebenfalls genug vom Warten, pirschte sich an und fing an, den Brei vom Finger zu schlecken!

 

Ein tolles Gefühl. (Hatte evtl. damit zu tun, dass mir die Blutzufuhr im Handgelenk während dieser Zeitspanne über dem Bambus abgeklemmt wurde…..!!??)

 

Ein paar Wochen später waren wir schon ein eingespieltes Team. Die Nahrung wurde bereits schneller von der Pinzette und der Brei innerhalb weniger Minuten vom Finger  genascht.

 

Da muss doch noch eine Steigerung drin sein!!!???

 

Kann ein Fachbuch irren?? - Versuchen kann man es ja!

 

Experiment 1: Ein kleiner Wurm wird zwischen den Fingern kunstvoll im Sichtbereich

                           des Geckos gedreht...

                                                     

                           Gecko schaut,…schnapp…  

                                                     

                           - toll, er frisst aus der Hand!!

 

 

Experiment 2: Ein kleiner Wurm wird auf die Hand gelegt…

                                                     

                           Gecko schaut, testet mit dem Pfötchen an, ob er auf der Hand stehen

                           kann, macht einen Schritt auf die Hand..schnapp..

                                                     

                           - toll er kommt auf die Hand!!!

 

 

Experiment 3: Ein kleiner Wurm wird auf die hinterste Seite der Hand gelegt..

                           (kommt er komplett auf die Hand??) Dieses Emperiment dauerte etwas

                           länger, denn der Gecko hat vermutlich auch dieses Fachbuch gelesen und

                           weiß, dass er eigentlich gar nicht auf die Hand kommt…)

 

                           Gecko schaut skeptisch, dreht den Kopf, bewegt sich ganz langsam

                           Richtung Nahrung, vergleicht Wurm mit Finger.. schnapppppp...

 

                            ~~~~~

 

So ein Finger ist eindeutig größer als ein Wurm. Ein einfacher Biss wäre nicht ganz so schlimm gewesen; allerdings kam zur Schrecksekunde noch das feste Zubeißen und die Gecko-Eigenschaft, seine Nahrung tot zu schütteln, erschwerend hinzu!!!

 

Mir blieb nur übrig, die Tränen zeitgleich mit dem Reflex die Hand ruckartig zu schütteln (und das Tier versehentlich gegen die Glaswand zu ballern) zu unterdrücken. Mein zurückschreckendes Zucken erweckte in ihm allerdings den Drang, seine Beute so richtig zu erlegen!!!!! *heul*

 

Nach einer - für mich endlosen - Zeit ließ er jedoch selbständig los ohne den Versuch mich verspeisen zu wollen!

 

Beim Pflastersuchen machte ich mir klar, dass der kleine Kerl ja einfach nix dafür konnte! Es war der natürliche Reiz, das zu erlegen, was größer war als so ein blöder Wurm! Vielleicht wollte er seine Liebste ja auch nur mit einem Festmahl beeindrucken!!??

 

Als das Pochen im Finger nachließ, war auch mein „natürlicher Reflex“ - dieses Tier auf ewig zu hassen - wieder verflogen…!!!

 

 

Noch heute bin ich sehr froh, dass ich ihm nicht geschmeckt habe!

Den Wurm hat er sich danach als Belohnung natürlich trotzdem noch „gepflückt“!

 

Erfahrungen müssen nun mal gemacht werden!!!!

 

Text und Bild: Steffi Claussen