|
IBD – die (un)heimliche Seuche? (Inclusion-Body-Disease / Einschluss-Körperchen-Krankheit)
Rückblick zur Sonderveranstaltung
Die Vortragenden Matthias Hajnal, Dr. Veit Kostka und Dr. Dr. Udo Hetzel vermittelten den Besuchern der Veranstaltung mit ihren ineinander greifenden Vorträgen - vom betroffenen Riesenschlangenhalter, über die tierärztliche Praxis bis hin zur Forschung und deren aktuellen Erkenntnissen - ein kompaktes und verständliches Gesamtbild zur Einschluss-Körperchen-Krankheit.
Gemeinsam wurde herausgearbeitet, dass dieser noch recht wenig erforschten und in Terrarianer-Kreisen wenig bekannten/beachteten Krankheit künftig deutlich mehr Aufmerksamkeit zukommen sollte, zumal diese Krankheit schon längst nicht mehr „lediglich“ in der Literatur oder bei Riesenschlangen in den USA vorkommt.
Auch hierzulande erkranken Boas und Pythons gleichermaßen an dieser unheilbaren Krankheit. Der Ausbruch der Krankheit führt unweigerlich zum Tod des betroffenen Tieres. Der Zeitraum in dem die Krankheit beim infizierten Tier ausbricht, kann jedoch stark variieren. Publizierte Fälle zeigen, dass besonders bei Boa constrictor mehrere Monate zwischen Infizierung und Ausbruch der Krankheit vergehen können. Solche Tiere sind vor Ausbruch der Krankheit von gesunden Tieren nicht zu unterscheiden, obwohl sie Träger und somit potentieller Überträger dieser Krankheit sind. Sie könnten während dieser Zeit noch öfter den Besitzer wechseln und damit weitere Tiere oder gar ganze Bestände infizieren.
Die Anzahl der mit der Einschluss-Körperchen-Krankheit infizierten Riesenschlangen in Deutschland scheint zu steigen, jedenfalls wird derzeit bei immer mehr Riesenschlangen diese Krankheit als „Verursacher“ von anderen Krankheiten oder letztendlich als Todesursache diagnostiziert.
Resumé der Vorträge
Obwohl die Einschluss-Körperchen-Krankheit bei Riesenschlangen bereits seit den 70er Jahren der Forschung bekannt ist, gibt es derzeit nur wenige gesicherte Erkenntnisse zu dieser Krankheit. Aktuell gilt als wissenschaftlich gesichert, dass es sich beim Erreger um ein Virus handelt. Aber auch hier konnte der Virus-Typ noch nicht abschließend bestimmt werden. Im Folgenden können auch noch keine endgültigen Aussagen über die möglichen Infektionswege gemacht werden oder welche Reptilien-Arten letztendlich betroffen sind und welche nicht. Die meisten Angaben zu dieser Krankheit begründen sich auf Erfahrungswerte aus der Praxis (meist persönlichen Mitteilungen von Terrarianern).
Kurz: Die Erforschung dieser Krankheit steckt sozusagen noch immer in ihren Anfängen. - Vieles kann… weiß man aber nicht! … also keine Panik … aber Achtsamkeit! -
Grund genug, um für die Zukunft besondere Präventionsmaßnahmen bei Riesenschlangen zu empfehlen, damit diese Krankheit sich nicht weiter in den Beständen ausbreitet. Der Halter eines einzelnen Tieres (ob nun infiziert oder nicht) trägt, insofern er dieses nicht weiter abgibt oder „Urlaubspflege“ von Tieren anderer übernimmt, natürlich nicht zur Verbreitung dieser Krankheit bei. Insbesondere sollten sich von daher Züchter und auch Halter von mehreren Riesenschlangen, die also Tiere in ihren Bestand aufnehmen oder aus diesem abgeben, angesprochen fühlen.
Präventionsmaßnahmen zur Einschluss-Körperchen-Krankheit:
- Neuzugänge mind. ½ Jahr einzeln in Quarantäne unterbringen, und das Tier mind. 2x im Abstand von 3 Monaten per Bluttest beim Tierarzt (scheinbar nur bei Boas aussagekräftig) auf Einschluss-Körperchen-Krankheit hin untersuchen lassen.
- Da im Zusammenhang mit der Einschluss-Körperchen-Krankheit oftmals sekundäre Infektionen auftreten, ist auch hier besondere Achtsamkeit geboten. Ebenfalls während der Quarantäne sollten deshalb Kotproben oder Kloakenabstriche (mind. 2x im Abstand von 3 Monaten) vom Tierarzt untersucht werden. Auch eine Abstrich-Untersuchung der Mundschleimhaut ist anzuraten.
Wichtig: Es gibt auch noch andere Methoden, wie z.B. die Leberbiobsie (auch bei Pythons aussagekräftig), um auf die Einschluss-Körperchen-Krankheit hin zu untersuchen. Es gilt: Der reptilienkundige Tierarzt wird hierzu beraten und einen individuellen Maßnahmenplan erarbeiten.
Die oben genannten Maßnahmen entsprechen einem verhältnismäßig kostengünstigen Mindestmaß (quasi „Basis-Paket“) an Vorsorge und sollten, bis auf die spezielle Untersuchung auf Einschluss-Körperchen-Krankheit, eigentlich auch in Hinsicht auf andere zahlreiche Krankheiten bei allen Neuzugängen (also auch anderen Reptilien) Standard sein, um die Gesundheit des einzelnen Tieres oder gar eines ganzen Bestandes generell nicht zu gefährden.
Wir möchten auch hier nochmals die Gelegenheit nutzen und uns vielmals bei allen Vortragenden, insbesondere bei Herrn Dr. Dr. Udo Hetzel, der eigens für diese Sonderveranstaltung nach Hamburg / Deutschland eingeflogenen ist, bedanken.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|